Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Zur Behandlung einer Depression stehen Medikamente (sogenannte Antidepressiva), verschiedene Formen der Psychotherapie und weitere nichtmedikamentöse Behandlungen zur Verfügung. Bei leichten Depressionen wird in der Regel eine Psychotherapie empfohlen, bei mittelschweren und schweren Depressionen sollte zusätzlich ein Antidepressivum eingenommen werden. Weitere Behandlungen können je nach Art der Depression und des Therapieverlaufs ergänzt werden.

Die meisten Behandlungsformen können ambulant durchgeführt werden. Bei depressiven Patienten sollte dann eine stationäre Behandlung in einer Klinik in Betracht gezogen werden, wenn sie aufgrund der Depression so isoliert leben, dass ein Behandlungserfolg nicht gewährleistet werden kann, wenn ambulante Therapien nicht ausreichend wirksam sind oder wenn die Gefahr besteht, dass sich ein Patient das Leben nehmen möchte.

Psychotherapie

Die Psychotherapie ist eine wichtige Säule in der Depressionsbehandlung. Es gibt verschiedene Arten von Psychotherapie. Allen gemeinsam ist, dass im Rahmen von Gesprächen auf die Psyche eingewirkt wird und der Patient dabei eine aktive Rolle hat. Psychotherapieverfahren, für die die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Kosten übernehmen, werden als Richtlinienverfahren bezeichnet. Hierzu gehören die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Therapie und die analytische Psychotherapie.

 

Psychotherapie

 

Verhaltenstherapie

In der Verhaltenstherapie werden ungünstige Verhaltensweisen des Patienten verändert, bessere Problemlösefähigkeiten entwickelt und Erfolgserlebnisse durch vermehrte positive Aktivitäten gefördert. Außerdem erlernen Patienten Entspannungstechniken, um mit Symptomen wie Schlaflosigkeit, Stress oder Angst besser umzugehen. Im späteren Therapieverlauf werden soziale Fertigkeiten eingeübt, um das Selbstwertgefühl weiter zu stärken.

Für die Behandlung der Depression ist die kognitive Verhaltenstherapie am besten untersucht. Bei dieser Form der Verhaltenstherapie lernen Patienten, die für eine Depression typischen negativen Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und mit Unterstützung des Therapeuten zu verändern.

 

Tiefenpsychologisch fundierte Therapie

Depressionen können auch durch unbewusste Konflikte ausgelöst werden, die in der Kindheit erlebt worden sind oder aktuell im zwischenmenschlichen Bereich bestehen. In der tiefenpsychologisch fundierten Therapie werden diese bewusst gemacht und bearbeitet. Hierfür werden bereits vorhandene Fähigkeiten des Patienten genutzt und weiter gestärkt. Im Laufe der Therapie können dann Schwierigkeiten besser bewältigt und Konflikte entschärft werden.

 

Analytische Psychotherapie

Aus psychoanalytischer Sicht werden Depressionen durch Verlust- bzw. Kränkungserlebnisse ausgelöst, die aufgrund bestehender innerer Konflikte nicht angemessen verarbeitet werden können. Es wird davon ausgegangen, dass sich diese ungelösten Konflikte auch in der Therapie zeigen und in diesem besonders geschützten Rahmen verstanden, bearbeitet und überwunden werden können.

Generell ist es für eine erfolgreiche Psychotherapie wichtig, dass Menschen mit einer Depression die passende Therapieform und einen Therapeuten finden, zu dem sie ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen können. Denn nicht jeder kommt mit jedem klar. Patienten sollten sich gut aufgehoben, angenommen und verstanden fühlen und sich ausreichend Zeit nehmen, einen passenden Therapeuten zu finden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen zu Beginn mehrere Gespräche (sogenannte probatorische Sitzungen), in denen Patient und Therapeut herausfinden können, ob sie gut „miteinander können“.

Damit die Psychotherapie erfolgreich verläuft, sollten Patienten außerdem zur Therapie motiviert sein und die Bereitschaft zur Mitarbeit mitbringen. Eine Psychotherapie schafft nicht alle Probleme aus der Welt. Sie hilft Patienten unter anderem aber mit zukünftigen Belastungen besser umzugehen.

Im stationären Bereich kommen neben den unterschiedlichen Psychotherapieformen auch weitere Behandlungsverfahren, wie z. B. Psychoedukation, Ergotherapie, Angehörigengruppen, Musik-, Kunst- und Gestaltungstherapie oder Entspannungstechniken sowie körper- und bewegungsbezogene Therapien zum Einsatz.

 

Weitere nichtmedikamentöse Therapieformen

Lichttherapie

Die Lichttherapie eignet sich nicht nur zur Behandlung der saisonal abhängigen Depression (sogenannte Winterdepression). Helles Licht hat eine stimmungsaufhellende Wirkung, denn Lichtimpulse gleichen die inneren Biorhythmen an den Hell-Dunkel-Rhythmus des Tages an. Die bei Depression aus dem Gleichgewicht geratenen Biorhythmen werden synchronisiert, der Schlaf-Wach-Rhythmus stabilisiert und die Verfügbarkeit von Serotonin gesteigert.

Bei der Lichttherapie wird der Patient täglich für 30 bis 40 Minuten von einer hellen weißen Lichtquelle angestrahlt. Da die Wirkung nach Absetzen der Behandlung schnell nachlassen kann, sollte die Lichttherapie den ganzen Herbst und Winter über durchgeführt werden. Mögliche Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Übelkeit oder Unruhe sein.

 

Lichttherapie

 

Wachtherapie

Die Wachtherapie kann als ergänzendes Element der antidepressiven Therapie eingesetzt werden. Sie ist die einzige Therapie bei Depression, die schon am ersten Tag deutliche Effekte zeigt. Es gibt zwei Varianten dieser Therapieform. Während des totalen Schlafentzugs bleibt der Betroffene die ganze Nacht und den darauf folgenden Tag wach. Beim teilweisen Schlafentzug bleibt der Patient nur in der zweiten Nachthälfte wach. Nach einer schlaflosen Nacht kommt es am nächsten Morgen meist zu einer Besserung der Symptome. Allerdings hält der Therapieerfolg meist nur kurz an und muss dann wiederholt werden. Es wird angenommen, dass die Wachtherapie die Biorhythmen grundlegend neu ausrichtet.

 

Transkranielle Magnetstimulation

Die transkranielle Magnetstimulation wird seit Anfang der neunziger Jahre in der Therapie von Depressionen eingesetzt. Hierbei werden Nervenzellen im Gehirn durch elektromagnetische Felder stimuliert. Die Impulse des Magnetfelds regen bei depressiven Patienten die weniger aktiven Nervenzellen an. Sie wird üblicherweise über zwei Wochen täglich angewendet und ist nebenwirkungsarm.

 

Elektrokrampftherapie

Die Elektrokrampftherapie wird bei Patienten mit schwerer Depression eingesetzt, wenn diese nicht auf andere Therapieformen angesprochen haben. Unter Vollnarkose wird durch eine kurze elektrische Reizung des Gehirns ein Krampfanfall beim Patienten ausgelöst. Diese Behandlungsform hat zur Folge, dass verstärkt "antidepressive Botenstoffe" im Gehirn freigesetzt werden. Sie ist in der Regel gut verträglich. Die Elektrokrampftherapie wird üblicherweise bei Patienten in statio­närer Behandlung angewendet.

 

Vagus-Nerv-Stimulation

Die Vagus-Nerv-Stimulation kommt bei Patienten mit schweren Depressionen zum Einsatz. Hierbei werden dem Patienten unter Vollnarkose eine Elektrode und ein Schrittmacher eingesetzt. Über elektrische Impulse wird dann der Vagus-Nerv stimuliert, der mit Gehirnstrukturen wie dem limbischen System verbunden ist. Das limbische System ist für die Verarbeitung und Steuerung von Gefühlen verantwortlich. Durch die Stimulation kann die Aktivität dieser Hirnstrukturen wieder normalisiert werden. Aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen wie Husten, Atemnot und Nackenschmerzen wird die Vagus-Nerv-Stimulation sehr zurückhaltend eingesetzt.

 Zirkadiane Therapie

Die innere Uhr des Menschen ist, zusammen mit äußeren Zeitgebern wie Licht und Melatonin, für die Regulation der zirkadianen Rhythmik verantwortlich. Darunter wird die Fähigkeit eines Organismus verstanden, sich unabhängig von äußeren Faktoren zeitlich orientieren zu können und regelmäßig durchgeführte Tätigkeiten wie Schlafen oder Nahrungsaufnahme in einem konstanten Rhythmus über 24 Stunden durchzuführen. Bei vielen depressiven Patienten ist diese zirkadiane Rhythmik aus dem Gleichgewicht geraten. Dies zeigt sich insbesondere in Veränderungen der Stimmung und des Schlaf-Wach-Rhythmus.

Durch bestimmte Behandlungen wie Lichttherapie und Wachtherapie sowie Verhaltensänderungen zur besseren Tagesstrukturierung kann die zirkadiane Rhythmik gezielt beeinflusst werden. Dadurch können sich die depressiven Symptome verbessern und das Risiko für einen Rückfall kann vermindert werden.

 

Tagesstrukturierung

Aktivitäten und Stimmungen können sich gegenseitig beeinflussen. Daher sollten sowohl Alltagsaktivitäten als auch aktuelle Stimmungen bei der Depressionsbehandlung protokolliert werden. Diese Protokolle helfen nicht nur Patienten, Fortschritte in der Behandlung zu erkennen, sondern liefern auch wichtige Hinweise für den behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten.

Die folgenden Tipps für die Tagesstrukturierung können Ihnen als Patient helfen:

  • Setzen Sie sich kleine erreichbare Ziele und legen Sie regelmäßige Aktivitäten für den Tag fest.
  • Nehmen Sie Ihre Mahlzeiten zu festgelegten Zeiten ein.
  • Verzichten Sie auf den Mittagsschlaf.
  • Treiben Sie, wenn möglich, Sport. Bewegung trägt zur Verbesserung der Stimmung bei.
  • Führen Sie sportliche oder andere Aktivitäten immer zur gleichen Zeit am Tag durch.
  • Versuchen Sie, Kontakte zu Freunden, Familie und Kollegen aufrecht zu erhalten und sich nicht zu isolieren. Dies unterstützt die Ausbildung eines gesunden Ruhe-Aktivitäts-Rhythmus.
  • Gehen Sie möglichst jeden Tag spazieren, um den Körper zu aktivieren.
  • Setzen Sie sich täglich mindestens eine Stunde dem Tageslicht aus.
  • Nutzen Sie ggf.  ein Lichttherapiegerät.

 

Zirkadian

Kontaktstellen

Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.
Das deutsche Bündnis gegen Depression e.V. verfügt über 40 regionale Bündnisse, die über Veranstaltungen, Beratungsstellen, Selbsthilfeaktivitäten und Ansprech-partner in Ihrer Nähe informieren.

 

Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe wurde von dem deutschen Bündnis gegen Depression e.V. und dem Kompetenznetz Depression gegründet.

 

Psychotherapie-Informations-Dienst
Der Informationsdienst der deutschen Psychologen Akademie des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen bietet Informationen und Beratung zu Psychotherapie und psychotherapeutischer Hilfe.

 

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.
Der Bundesverband hat seine Geschäftsstelle in Bonn und verfügt über Landesverbände in allen 16 Bundesländern.

 

NAKOS
Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen

 

Telefonseelsorge
Die Telefonseelsorge hilft 24 Stunden bundesweit und gebührenfrei.

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