Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Zur Behandlung einer Depression stehen Medikamente (sogenannte Antidepressiva), verschiedene Formen der Psychotherapie und weitere nichtmedikamentöse Behandlungen zur Verfügung. Bei leichten Depressionen wird in der Regel eine Psychotherapie empfohlen, bei mittelschweren und schweren Depressionen sollte zusätzlich ein Antidepressivum eingenommen werden. Weitere Behandlungen können je nach Art der Depression und des Therapieverlaufs ergänzt werden.

Die meisten Behandlungsformen können ambulant durchgeführt werden. Bei depressiven Patienten sollte dann eine stationäre Behandlung in einer Klinik in Betracht gezogen werden, wenn sie aufgrund der Depression so isoliert leben, dass ein Behandlungserfolg nicht gewährleistet werden kann, wenn ambulante Therapien nicht ausreichend wirksam sind oder wenn die Gefahr besteht, dass sich ein Patient das Leben nehmen möchte.

 

Medikamentöse Behandlung

Signalübertragung im Gehirn

Das menschliche Gehirn verfügt über ca. 20 Milliarden Nervenzellen, die Informationen übertragen und verarbeiten. Nervenzellen sind durch Synapsen verbunden. Hier werden zur Signalübertragung Botenstoffe (Neurotransmitter) in den synaptischen Spalt ausgeschüttet. Diese binden dann an speziell dafür vorgesehene Rezeptoren der anliegenden Nervenzelle – die Information wird übermittelt. Anschließend werden die Botenstoffe aus dem synaptischen Spalt entfernt und von der ausschüttenden Nervenzelle wieder aufgenommen. Bleiben die Botenstoffe zu lange im synaptischen Spalt zwischen den Nervenzellen, kommt es zu einer andauernden Erregung der Synapsen. Sind zu wenige Botenstoffe vorhanden, können Informationen nicht adäquat übertragen werden. Es wird angenommen, dass Störungen der Reizübertragung und Weiterleitung im zentralen Nervensystem eine entscheidende Bedeutung für die Entstehung depressiver Erkrankungen haben.

 

Informationsübermittlung durch Nervenzellen

 

Antidepressiva

Fast alle Antidepressiva sind in ihrer Wirkweise auf die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin ausgerichtet. Sie greifen chemisch in den Hirnstoffwechsel ein und können das Gleichgewicht der Botenstoffe wieder herstellen. Es hängt von der Schwere der Depression, der Verträglichkeit und der Vorerfahrung mit bereits eingenommenen Antidepressiva ab, welches Antidepressivum für welchen Patienten am besten geeignet erscheint. Antidepressiva machen nicht abhängig und sind im Allgemeinen gut verträglich. Es können aber Nebenwirkungen wie z. B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Gewichtszunahme und sexuelle Funktionsstörungen auftreten.

Nebenwirkungen sind etwas ganz Normales. Entscheidend ist, ob der Nutzen einer Behandlung dauerhaft größer ist als die Nebenwirkungen. Nach Beginn der Behandlung mit Antidepressiva kann es zwei bis drei Wochen dauern, bis diese ihre volle Wirkung zeigen. Auch wenn Sie sich nach einer gewissen Zeit unter Behandlung mit Antidepressiva wieder gesund und voll leistungsfähig fühlen, ist es wichtig, dass Sie die Medikamente so lange einnehmen, wie Ihr Arzt es mit Ihnen vereinbart hat. Ansonsten kann es zu einem erneuten Rückfall kommen.

Anzumerken ist hierbei, dass moderne Substanzen (wie z. B. SSRI, SNRI, melatonerge Antidepressiva) nach der aktuellen Literatur besser verträglich sind als ältere Substanzen, wie z. B. trizyklische Antidepressiva.

 

Melatonerge Antidepressiva

Für die Behandlung von Episoden einer mittelschweren bis schweren Depression steht ein melatonerges Antidepressivum mit einem neuartigen Wirkprinzip zur Verfügung. Dieses setzt an Rezeptoren des Melatonin-Systems im Gehirn an, das für die Feinjustierung biologischer Rhythmen verantwortlich ist. So wirkt das Medikament direkt an der inneren Uhr des Menschen und führt über eine Normalisierung der gestörten zirkadianen Rhythmik zu einer Verbesserung depressiver Symptome wie gedrückter Stimmung, Freudlosigkeit, Interesselosigkeit, Angst und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus.

Im Allgemeinen ist das Medikament gut verträglich. Häufigste Nebenwirkungen sind Übelkeit und Schwindel. Diese sind in der Regel leicht bis mäßig und treten meistens vorübergehend auf. Die Substanz ist gewichtsneutral und hat keinen Einfluss auf Blutdruck sowie Herzfrequenz und erhält die sexuelle Funktion.

 

Trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva

Trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva gehören zu den ältesten Medikamenten, die bei Depressionen eingesetzt werden. Sie tragen ihren Namen aufgrund ihrer chemischen Struktur und bewirken unter anderem, dass die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin in die ausschüttende Nervenzelle blockiert wird. Trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva wirken effektiv gegen depressive Symptome. Bei der Einnahme dieser Gruppe können Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Müdigkeit und Herzrhythmusstörungen auftreten

 

MAO-Hemmer

Monoaminooxidase-Hemmer gehören ebenfalls zu den älteren Antidepressiva. Die Monoaminooxidase ist ein Eiweißstoff (Enzym), der den Abbau der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin bewirkt. Durch die Hemmung des Enzyms erhöht sich die Konzentration von Serotonin und Noradrenalin im synaptischen Spalt und die Informationsübermittlung zwischen den Nervenzellen wird normalisiert. Als mögliche Nebenwirkungen können Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Schwindel auftreten.

Bei der Einnahme mancher MAO-Hemmer muss eine tyraminarme Diät eingehalten werden. Hierbei dürfen u.a. die folgenden Lebensmittel nicht konsumiert werden: Käse, Getränke, die durch Hefegärung hergestellt werden (Bier, Wein, Schnaps), Bitterschokolade, bestimme hochreife Obstsorten (z. B. Bananen, Birnen, Feigen), kalt geräucherter Fisch, mit Salz konservierte rohe Produkte. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Einzelheiten der Diät, wenn Sie einen MAO-Hemmer zur Behandlung Ihrer Depression verschrieben bekommen.

 

SSRI

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) hemmen die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin aus dem synaptischen Spalt. Dadurch wird eine höhere Konzentration des Serotonins an den Bindungsstellen der Nervenzellen im synaptischen Spalt erreicht und die Informationsübermittlung zwischen den Nervenzellen normalisiert. SSRI sind in der Regel gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen und Kopfschmerzen.

 

SSNRI
Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) hemmen nicht nur die Wiederaufnahme von Serotonin sondern auch von Noradrenalin in die ausschüttende Nervenzelle. Auf diese Weise wird die Konzentration beider Botenstoffe im synaptischen Spalt erhöht und die Informationsübertragung der Nervenzellen im synaptischen Spalt normalisiert. SSNRI haben weniger Nebenwirkungen als ältere Antidepressiva. Allerdings können auch hier Begleiterscheinungen wie Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Appetitlosigkeit auftreten.

 

Alpha2-Rezeptor-Antagonisten

Alpha2-Rezeptor-Antagonisten verstärken auf indirektem Weg die Wirkung der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Sie verhindern, dass Stoffe wirksam werden können, die die Bildung von Serotonin und Noradrenalin hemmen. Alpha2-Rezeptor-Antagonisten sind in der Regel gut verträglich. Es kann zu Tagesmüdigkeit, Sedierung und Gewichtszunahme kommen.

 

NDRI

Selektive Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer vermindern die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin und normalisieren auf diese Weise die Informationsübertragung der Nervenzellen. NDRI sind in der Regel gut verträglich. Es kann zu Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Unruhe, Übelkeit und Kopfschmerzen kommen.

 

Pflanzliche Wirkstoffe

Johanniskrautextrakt ist das am häufigsten eingesetzte Antidepressivum auf pflanzlicher Basis. Es enthält Hypericin, von dem Ärzte annehmen, dass es die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin in die ausschüttende Nervenzelle hemmt und so ihre Konzentration dieser Botenstoffe an den Bindungsstellen der Nervenzellen erhöht. Die Substanz wird hauptsächlich bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt. Auch Johanniskraut kann Nebenwirkungen wie Müdigkeit hervorrufen. Außerdem kann es die Wirkung anderer Medikamente beeinträchtigen. Insbesondere die Pille zur Schwangerschaftsverhütung kann unwirksam werden. Auch Medikamente zur Blutverdünnung und zur Behandlung der Epilepsie können durch Johanniskraut in ihrer Wirkung gemindert werden.

Kontaktstellen

Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.
Das deutsche Bündnis gegen Depression e.V. verfügt über 40 regionale Bündnisse, die über Veranstaltungen, Beratungsstellen, Selbsthilfeaktivitäten und Ansprech-partner in Ihrer Nähe informieren.

 

Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe wurde von dem deutschen Bündnis gegen Depression e.V. und dem Kompetenznetz Depression gegründet.

 

Psychotherapie-Informations-Dienst
Der Informationsdienst der deutschen Psychologen Akademie des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen bietet Informationen und Beratung zu Psychotherapie und psychotherapeutischer Hilfe.

 

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.
Der Bundesverband hat seine Geschäftsstelle in Bonn und verfügt über Landesverbände in allen 16 Bundesländern.

 

NAKOS
Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen

 

Telefonseelsorge
Die Telefonseelsorge hilft 24 Stunden bundesweit und gebührenfrei.

Alle Kontaktinformationen finden Sie hier…